www.luna-tikk.de



Foto: Denny Walther

Wolfgang Buschlinger - Oliver Becker


Letzte Änderung: 26. Mai 2004, Under permanent construction


Die nächsten Termine:
Sonntag, 26. September 2004, 16.00 Uhr
Sonntag,
31. Oktober, 16.00 Uhr
Sonntag,
28. November, 16.00 Uhr




 Wir bedanken uns für die rege Teilnahme und den (positiven) Zuspruch, den wir erhalten haben. Über Veränderungen und Verbesserungen der Veranstaltung denken wir nach. Neu auf dieser Seite ist die Überschrift "Nachlese" in der ersten Spalte. Sie dient im Moment vor allem der Dokumentation der Einzelveranstaltungen. Durch Anklicken des jeweiligen Termines gelangt man zur Nachlese.

Termine/Nachlese
Links
 

Sonntag, 29. September 2002, 16.00 Uhr


Themen des Café Philo bisher

Allgemein: Suche nach "cafe philo" bei google liefert hervorragende Ergebnisse

Liste aller Café Philos, weltweit: http://philos.org/listeangl.html

Wer sich für die Entstehung der Café Philos (und für philosophische Probleme) interessiert, der/die möge lesen:
Marc Sautet: Ein Cafe für Sokrates. Philosophie für jedermann. 344275545X, 11 Euro. Das Buch ist nicht wirklich schlecht, aber pomadig im Stil. Dennoch gewinnt man einen guten Eindruck davon, was ein Café Philo sein könnte.

Homepage: Brunsviga
Homepage:
Wolfgang Buschlinger
Mail:
o.becker@luna-tikk.de
Mail:
w.buschlinger@luna-tikk.de




Ein wenig Geschichte
Café Philos gibt es seit 1992. Damals begann ein gewisser Marc Sautet in Paris damit, mit einigen Freunden und den anwesenden Gästen in einem Café philosophiche Themen zu besprechen oder Themen philosophisch zu diskutieren. Sie trafen sich nach dem ersten Mal regelmäßig, sonntags, weil sie an dieser Kommunikationsform Freude gefunden hatten. Die Idee machte die Runde und erfreute nicht nur die Pariser oder die Franzosen. Eine wahre Welle von Café Philo Gründungen setzte ein, weltweit gibt es ungefähr 200 dieser Einrichtungen (geschätzt), in Deutschland existieren Café Philos in Düsseldorf, Köln, Bonn, Kaarst, Essen, Dortmund, Berlin, München, Koblenz. Und jetzt auch in Braunschweig.

Was ist ein Café Philo?

Ein Café Philo ist - grob gesprochen - eine geleitete öffentliche Debatte, ein Ort, an dem Menschen zusammen kommen mit dem Ziel, bei einer Tasse Kaffee das zu diskutieren, was von allgemeinem Belang ist und dennoch selten thematisiert wird oder ganz einfach durch das Raster der Medien fällt. Ein Café Philo hat es mit Weltanschauungen zu tun, oder mit neuen Ideen. Oder auch nur mit schwierigen und kniffeligen Problemen.

Was ist das Philosophische an einem Café Philo?

Es ist schwer, das 'Philosophische' zu definieren. Gleichwohl läßt es sich charakterisieren, zum Beispiel in einem Sinnspruch. Ein möglicher Sinnspruch wäre:
Philosophie ist die Fortsetzung der Wissenschaft mit anderen Mitteln.

Was ist damit gemeint? Wiederum vieles, sicherlich aber:

Einbeziehung der Ideengeschichte, vor allem des Abendlandes.

Fragen stellen, die vor aller Wissenschaft geklärt werden müssen. Alltägliche und selbstverständliche Unterstellungen im Gespräch mit anderen oder in der Auffassung der Welt benennen können und auf ihre Richtigkeit prüfen.

Kühne und gekonnte Spekulationen anstellen bei Problemen, die sich (derzeit) nicht empirisch beantworten lassen, dabei gleichzeitig argumentativ vorgehen.

Dazu gehört auch das Nachdenken über Grenzfragen der menschlichen Existenz.

Zusammenschau wissenschaftlicher Ergebnisse (und nicht nur dieser) zu einem Weltbild

Um die Inhalte nicht vorzugeben bzw. unnötig einzuengen, schlagen wir für unsere Zwecke vor, daß eine vorgetragene Frage, Behauptung oder Anschauung dann philosophisch ist, wenn

  • sie durch eine Begründung gestützt wird,
  • diese Begründung (und damit auch die Behauptung) sich der Kritik aussetzt und
  • diese Kritik erstgenommen wird und ggf. der eingenommene Standpunkt hinterfragt oder revidiert wird.

  

Regeln im Café Philo

Alle Regeln können geändert werden.

Die Teilnehmer bestimmen durch ihre Vorschläge das Diskussionsthema. Bei mehreren Voschlägen wählt der Moderator das Diskussionsthema aus.

Kein Thema ist von der Diskussion ausgeschlossen. Gleichwohl sind alle Teilnehmer gehalten, das Thema von der Seite aus zu behandeln, die sie für philosophisch halten.

Der Moderator hat lediglich die Funktion, durch sein Wissen die Diskussion zu leiten, unter Umständen Argumente zu bündeln und die Analyse des Problems voranzutreiben.

Es gelten die allgemeinen Verhaltensregeln des Zuhörens und Sprechens in Argumentationszusammenhängen.

Das Café Philo darf nicht zu einer Lehrveranstaltungen klassischen Typs werden, ja überhaupt nicht zu einer Lehrveranstaltungen.

 



Das Café Philo vom 29. September 2002 - Nachbetrachtung

Themenvorschläge
Wir haben folgende Beispielthemen gegeben:
  • Lohnt es sich, Natur zu konservieren? Hat die Natur ein irgendwie geartetes Recht, als Natur (weiter) zu existieren?
  • Was ist Vergeltung? Warum vergelten wir?
  • Ist menschliches Leben unter allen Umständen schützenswert?
  • Ist unsere Gesellschaft eine Gesellschaft sozialer Kälte?
  • Wie weit kann und sollte 'wohlverstandenes Eigeninteresse' gehen?

Aus dem Publikum kamen vier Vorschläge: 

  1. Wie kommt es, daß die integrative Erziehug in der Bundesrepublik so wenig Beachtung erfährt?
  2. Welche praktischen Möglichkeiten bestehen, das Klima sozialer Kälte in der Bundesrepublik zu verändern, zu verbessern?
  3. Soll ich Menschen, die ich beim Stehlen beobachtet habe, anzeigen/denunzieren?
  4. Wie weit kann/darf der Mensch die Natur für sich einnehmen.

Das Publikum wählte den zweiten Vorschlag: Welche praktischen Möglichkeiten bestehen, das Klima sozialer Kälte in der Bundesrepublik zu verändern, zu verbessern?

Anmerkung: Nur bei diesem Mal durfte das Publikum über das Thema entscheiden. Ab dem nächsten Mal werden wir gemäß den Regeln verfahren, d.h. der Moderator sucht aus den eingegangenen Vorschlägen. Dies vor allem deshalb, weil der Moderator vermutlich am besten die formalen Qualitäten eines Vorschlages einschätzen kann. Zu den formalen Qualitäten gehören Dinge wie: Schwammigkeit der Begriffe, Umfang des angeschnittenen Problemfeldes, usf.

 

Ergebnisse - in Kürze

Im Laufe der Diskussion stellte sich heraus, daß der Terminus 'soziale Kälte' für das Publikum zwei Bedeutungen hatte. Für die einen zeigte sich soziale Kälte vor allem im Mangel an Tugenden im zwischenmenschlichen (und alltäglichen) Umgang. Die mangelnden Tugenden, die mehrfach genannt wurden, sind: Zivilcourage, Höflichkeit, Rücksichtnahme, Ehrlichkeit. 'Soziale Kälte' bedeutet hier so etwas wie: das fehlende Auge für den anderen im Alltag.

Andere verstanden unter 'sozialer Kälte' die Ausgrenzung von Minderheiten und allgemein: Schwachen. Nicht, oder nur selten aufgenommen wurde die Möglichkeit, unter 'sozialer Kälte' das löchrige soziale Netz in der Bundesrepublik oder die Erosion der Solidarpakte zu verstehen.

Obwohl im großen und ganzen die Meinung vorherrschend war, dass die gegenwärtige Bundesrepublik eine Gesellschaft sozialer Kälte ist (im einen wie im anderen Sinne), gab es auch eine größere Gruppe, die dies bestritt. Tendenziell zeigten sich dort zwei Argumentationsstrategien. Strategie Nummer eins setzte auf das Nennen positiver Beispiele, vor allem auf die Solidarität nach der sommerlichen Flutkatastrophe im Osten. Soziale Wärme zeige sich wenigstens noch in Notsituationen, nämlich dann, wenn auch der Staat nicht mehr helfen könne. Soziale Wärme würde sich - so eine unterschwellige These - auch dann wieder vermehrt zeigen, wenn die Fürsorge des Staates abgebaut werden würde. Erst die Übergabe sozialer Aufgaben an den Staat habe das Land scheinbar sozial kalt gemacht. - Die andere Linie (Strategie Nummer zwei) zog ein komparative Argument vor, in dem die Lage in der Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Ländern als - eben vergelichsweise - gut herausgestellt wurde. Dennoch wurde der Befund "Es gibt soziale Kälte in der Bundesrepublik' mehrheitlich geteilt.

Bei der Frage anch den Ursachen der sozialen Kälte standen die mangelnden Tugenden (nicht: die Ausgrenzung!) im Mittelpunkt. Mangelnde Tugenden seien im Grunde das Ergebnis einer falschen Erziehung im Elternhaus wie in der Schule. Nun sei es aber nicht so, dass Eltern und Erzieher im weitesten Sinne sich vornähmen, falsch zu erziehen. Grund für die falsche Erziehung sei vielmehr die Konzentration auf das Ego, die durch einen stärker gewordenen Leistungsdruck innerhalb der Gesellschaft hervorgerufen wird. Unklar blieben dabei zwei Dinge: erstens, wer denn eigentlich 'die Gesellschaft' ausmacht; also das Verhältnis von Individuum zur Gesellschaft. Zweitens, ob tatsächlich ein gesteigerter Leistungsdruck in der Gesellschaft existiert oder ob der Leistungsdruck ein hausgemachtes Problem ist: also ein Problem, von dem nur die Einzelnen denken, es sei da; tatsächlich aber existiert das Problem in Wirklichkeit aber gar nicht.
- Gefragt nach den praktischen Möglichkeiten einer Verbesserung schlugen Vertreter dieser Position konsequenterweise, zur 'Erwärmung des sozialen Klimas' das eigene Vorleben zu Hause, in der Schule, auf der Straße zu nehmen.

Der Bedeutungsaspekt 'Ausgrenzung' wurde nicht systematisch angegangen, wenn er auch immer wieder z.B. im Zusammenhang mit dem Leistungsdruck genannt wurde. Unklkar und unausgesprochen blieb auch die Frage, auf welche Art und Weise die beiden Bedeutungsaspekte von 'sozialer Kälte' miteinander zusammen hängen und ob sie das eigentlich tun. Manchmal konnte man den Eindruck haben, eine Verbesserung im täglichen Umgang miteinander zöge mehr oder weniger automatisch eine Verringerung der Ausgrenzung Schwacher nach sich. Diese Behauptung wurde aber nicht einmal angesprochen.

Auch nicht angesprochen wurde, ob es einen Geschlechterunterschied gibt beim Verständnis des Wortes 'soziale Kälte', bei der Frage danach, ob es soziale Kälte gibt und wie sie gegebenfalls zu beseitigen sei.

 



Themen des Café Philo bisher

2002

29. September: Leben wir in einem Land sozialer Kälte?
27. Oktober:
Ist Kommunikation in der Kommunikationsgesellschaft noch möglich?
24. November:
Werden Alter und Tod zugunsten eines Jugendkultus in dieser Gesellschaft ausgeblendet?

2003

26. Januar: Welche Rechtfertigung gibt es für Krieg, wenn überhaupt eine?
16. Februar:
Ist Zukunft planbar?
23. März:
Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben?
27. April:
Welche Mechanismen stehen hinter den gesellschaftlichen Entwicklungen? Leben wir in einer Demokratie?
25. Mai:
Gibt es den richtigen Partner (Mr. Right)?
29. Juni:
Muss eine moralische Instanz ihren eigenen moralischen Ansprüchen genügen?
28. September: Hat der Mensch - als Individuum - nur deswegen die Tendenz, sich zu entwickeln, weil er begrenzt ist?
19. Oktober: Muss ich/sollte ich als Individuum mehr Verantwortung übernehmen?
30. November:
Welche Rolle kann der Kategorische Imperativ (Kants) in der heutigen Zeit (noch) spielen?

2004

25. Januar: Unter welchen Umständen hat man das Recht, anderen etwas zu verbieten?
29. Februar: Was ist der Sinn des Lebens?
28. März: Welche Art Elite braucht die deutsche Gesellschaft
25. April: Warum ist es möglich, dass gerade in der heutigen Zeit vermehrt über Vertrauen nachgedacht und geschrieben wird?
23. Mai: Ist politische Freiheit ein Wert an sich?




In case of problems or comments please contact: w.buschlinger@luna-tikk.de

Mehr Philosophie?

Dann zur Homepage des Seminars für Philosophie der TU Braunschweig.
Oder zur Homepage von Wolfgang Buschlinger